way to islam's Webseite

 

Deutsche von Allah geleitet

 

 

Autor: Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul
Verlag: Islamische Bibliothek
ISBN: 3-8217-0010-6

 

 

Vorwort:

 

Von seinem 8. Lebensjahr an, nach dem Tode seines Großvaters, lebte der Prophet Muhammad (a. s. s.) bei seinem Onkel Abu Talib, der ihn zu sich nahm und für ihn wie für ein eigenes Kind lange Jahre sorgte.

 

Als Muhammad (a. s. s.) die göttliche Offenbarung empfing, bekehrten sich zunächst mehrere Männer und Frauen aus der Familie des Propheten (a. s. s.) zum Islam, darunter Ali, der Sohn Abu Talibs, der ohne Wissen seines Vaters den Propheten (a. s. s.) ständig begleitete und mit ihm die Gebete heimlich verrichtete, bis Abu Talib eines Tages die beiden durch Zufall beim Gebet überraschte und den Propheten fragte:

 

„Was ist das für eine Religion, die ich dich hier ausüben sehe?“ „O Oheim“, erwiderte da Muhammad (a. s. s.), „dies ist die Religion Gottes, die Religion Seiner Engel, die Religion Seiner Propheten und die Religion unseres Stammvaters Abraham. Mit ihr hat mich Gott als Propheten zu den Menschen gesandt, und du bist von allen am würdigsten, meinen Rat zu erhalten, meine Einladung für den rechten Weg zu empfangen, mir Folge zu leisten und mir beizustehen.“ „O du Sohn meines Bruders“, entgegnete Abu Talib, „ich kann mich nicht von der Religion und dem Glauben meiner Väter trennen, aber, bei Gott, kein Übel soll dir widerfahren, solange ich lebe.“

Man berichtet auch, dass Abu Talib seinen Sohn Ali fragte, was für eine Religion es sei, an die er glaube, worauf Ali geantwortet habe:

 

„Lieber Vater, ich glaube an Gott, Seinen Propheten und Seine Offenbarung; ich habe mit ihm zu Gott gebetet, und ich bin ihm gefolgt.“

 

Und Abu Talib habe erwidert:

 

„Er hat dich wahrlich nur zum Besten aufgefordert. So bleibe bei ihm!“

 

Als der Prophet, wie Gott es ihm befohlen hatte, den Islam öffentlich zu verkünden begann, wandten sich seine Stammesgenossen zunächst nicht von ihm ab. Sie wiesen ihn erst zurück, als er ihre eigenen Götter schmähte. Mit Ausnahme einer kleinen verachteten Gruppe, die Gott durch den Islam davor bewahrte, erklärten sie ihn alle für untragbar, bekämpften ihn und waren sich in ihrer Ablehnung einig. Unter den Heiden blieb ihm nur sein Onkel Abu Talib freundlich zugetan. Er gewährte ihm seinen Schutz und stellte sich vor ihn. Der Prophet indes führte weiter Gottes Befehl aus und verkündete Seinen Auftrag, ohne dass ihn etwas davon abzuhalten vermochte. Als die Quraisch sahen, dass er ihnen in keinem Punkt, den sie ihm vorwarfen, nämlich der Absage an sie und der Schmähung ihrer Götter, nachgab und dass sein Onkel Abu Talib weiter zu ihm hielt und ihn nicht an sie auslieferte, gingen einige Männer des quraischitischen Adels zu Abu Talib und sprachen:

 

„ Abu Talib! Der Sohn deines Bruders hat unsere Götter beschimpft, unsere Religion geschmäht, unsere Tugenden lächerlich gemacht und unsere Väter des Irrtums bezichtigt. Entweder du sorgst dafür, dass er uns nicht weiter belästigt, oder du lässt uns freie Hand gegen ihn. Du stehst doch ebenso im Gegensatz zu ihm wie wir, und wir werden dich von ihm erlösen.“

 

Abu Talib antwortete freundlich und in aller Höflichkeit, worauf sie ihn wieder verließen.

 

Der Prophet (a. s. s.) aber fuhr fort, die Religion Gottes zu offenbaren und zum Glauben an Ihn aufzurufen, wodurch sich die Beziehungen zwischen ihm und seinen Gegnern weiter verschlechterten und sie sich noch mehr miteinander verfeindeten. Die Quraisch sprachen immer häufiger von ihm und hetzten einander gegen ihn auf. Schließlich gingen sie wieder zu Abu Talib und sprachen: „Abu Talib! Du hast ein ehrwürdiges Alter und besitzst hohes Ansehen unter uns. Wir haben dich gebeten, dem Sohn deines Bruders sein Tun zu verbieten, doch du hast ihn uns nicht vom Leibe geschafft. Wahrlich, wir werden es nicht länger dulden, dass er unsere Väter beschimpft, unsere Tugenden lächerlich macht und unsere Götter verunglimpft. Entweder du bringst ihn dazu, dass er uns nicht mehr behelligt, oder wir werden gegen euch beide kämpfen, bis eine unserer Parteien untergeht.“

 

Darauf verließen sie ihn wieder. Schwer lasteten auf Abu Talib die Entfremdung und die Feindschaft seines Volkes, doch konnte er Muhammad (a. s. s.) einfach nicht preisgeben und enttäuschen.

 

Der Prophet (a. s. s.), der seinen Onkel sehr liebte und seine Fürsorge für ihn in seiner Kindheit und dessen großartige Unterstützung für die Sache des Islam sehr zu schätzen wusste, hatte sich  immer voller Hoffnung danach gesehnt, dass sein Onkel sich doch eines Tages zum Islam bekenne.

 

Als Abu Talib im Sterben lag, glaubte der Prophet (a. s. s.), er könne ihn zum Islam überzeugen, und flehte ihn an:

 

„So sprich du die Worte, mein Oheim! Wenn du es tust, kann ich am Tag der Auferstehung Fürbitte für dich einlegen.“

 

Abu Talib aber, als er sah, wie Muhammad (a. s. s.) sich um ihn bemühte, erwiderte:

 

„O du Sohn meines Bruders! Müsste ich nicht fürchten, dass die Quraisch dich und die Söhne deines Vaters nach meinem Tod beschimpfen und glauben werden, ich hätte jene Worte nur aus Angst vor dem Tod gesprochen, würde ich sie sagen- aber doch nur, um dir die Freude zu machen.“

 

Ibn Ishaaq, Das Leben des Propheten, Tübingen, 1976

 

Darauf sagte der Prophet (a. s. s.) „ Bei Allah, ich werde für dich um Vergebung bitten, es sei denn, dass mir dies (von Allah) untersagt wird.“

Darauf wurden ihm folgende Verse des Qur´an geoffenbart:

 

„Dem Propheten und den Gläubigen kommt es nicht zu, für die Götzendiener um Vergebung zu bitten, auch wenn sie Verwandte wären, nachdem ihnen deutlich geworden ist, dass sie der Hölle gehörten.“

                                                                                  (9:113)

 

 

 

„ du( O Muhammad) leitest nicht, wen du gern magst; Allah leitet, wen Er will; denn er kennt am besten die, welche sich leiten lassen.“

                                                                                  (28:56)

 

Seit den Ereignissen sind mehr als 1400 Jahre vergangen, in denen Millionen Menschen durch Allahs Gnade den Weg zum Islam ohne Kirche und ohne Priester fanden und in denen auch viele Menschen den Islam ablehnten und starben; sie alle kehren zu Allah zurück, Der ihnen sagt, was sie getan haben.

 

Zu den von Allah geleiteten Menschen gehören auch Deutsche, deren geschätzte Zahl bald drei Millionen erreichen wird.

 

Wenn der Islam Boden im Lande der Germanen fasst, dann deshalb, weil diese in ihrer Geschichte "islamisch" veranlagt sind. Denn es gab bei ihnen keinen besonderen Ort für die Verehrung des Göttlichen, kein besonderes Bild, keine Plastik, in das Göttliche gebannt wurde. Den Germanen waren Heiligtümer und Götterbilder aus Stein oder Holz unbekannt. Während die ursprünglich römische Bevölkerung des ehemaligen weströmischen Reiches sich zu den Glaubensauffassungen bekannte, die in Rom, dem Sitz des kirchlichen Oberhauptes, des Papstes, in Lehre und Kirchenordnung ihren Mittelpunkt sah, hatten sich die meisten germanischen Eroberer den von Rom verworfenen Ansichten eines Presbyters aus Alexandria, Arius, angeschlossen. Dieser hatte sich durch seine Lehre, dass Jesus Christus nicht Gott sei, der allgemein anerkannten altkirchlichen Auffassung entgegnet.

 

In diesem bescheidenen Werk haben neun "Germanen" ihren Weg zum Islam in unserer Zeit beschrieben. Die verhältnismäßig geringe Zahl derer, die mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden sind, zeigt deutlich, dass man noch mit wenig Toleranz rechnet.

 

Dieses Ergebnis ist auf missverstandene Informationen über den Islam zurückzuführen, wozu die Behauptung gehört, er habe sich durch Gewalt verbreitet. Wenn diesem Buch ein Maß an Erfolg beschieden ist, dann der, dass Deutsche sich für den wahren Weg zu Gott völlig frei von Zwang und Erwartung materieller Vorteile entschieden haben und dass dadurch der Wahrheitsgehalt dieser Botschaft Bestätigung findet.

 

 

Muhammad Rassoul

Im Ramadan 1401 / Juli 1980

 

 

B. S.

Der Islam verlangt den ganzen Menschen

 

Nun, es sind fast 11 Jahre vergangen. Ich war evangelisch getauft.

Als ich im Konfirmandenalter war, kamen mir Glaubenszweifel.

 

Ich diskutierte viel mit dem Superintendanten, der mich unterrichtete, aber auf meine Fragen keine zufrieden stellenden Antworten wusste.

 

Ich konnte nicht verstehen, dass ein Säugling bereits mit der Erbsünde geboren sein sollte. Die Dreieinigkeit: Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist war mir nicht einleuchtend.

 

Jesus war für mich ein außergewöhnlicher Mensch mit ganz besonderen Fähigkeiten.

 

Die Gewaltlosigkeit, die Jesus predigte, war in meinen Augen nicht immer

angebracht. Zwei grausame Weltkriege habe ich miterlebt und auch persönlich Menschen kennen gelernt, die mir nicht gut erschienen. Ich suchte und suchte, befasste mich mit dem Katholizismus, aber der Heiligenkult stieß mich ab. Was konnte der Heilige Antonius dazu tun, eine verloren gegangene Sache wieder zu finden, wenn man ihn anflehte? Viele, viele schwere Jahre vergingen, und mir wurden von Allah gläubige Moslems über den Weg geschickt, die mir den Islam näher brachten. Auf den flüchtigen Blick ist es eine einfache Religion, verlangt aber den ganzen Menschen. Er muss sein Leben, sein Handeln ganz auf die Vorschriften des Heiligen Qur`an ausrichten. Für mich ist Toleranz das oberste Gebot.    

 

 

 

Bubenheim, Frank Abdullah as-samit

Mein Lehrer war ein deutscher Muslim

 

Einmal, als ich noch zur Grundschule ging, störte mich in dem Lesebuch die Überschrift eine Geschichte mit dem Titel ,,Das Muttergottesgläschen“. Ich konnte mir in meinem kindlichen Gemüt nicht vorstellen, Gott, der doch Schöpfer und Anfang aller Dinge ist, und vor Dem es niemanden gab, eine ,,Mutter“ haben sollte. So strich ich die Überschrift ärgerlich durch. Heute weiß ich, dass ich damals aus natürlicher Anlage zum rechten Glauben, dem Monotheismus, handelte. Gott selbst sagt dazu im Qur`an:

 

,,Richte nun dein Antlitz auf die Religion als einer, der sich zur wahren Religion bekennt! Das ist die natürliche Art, in der Gott die Menschen geschaffen hat. Die Art und Weise, in der Gott die Menschen geschaffen hat, kann mann nicht abändern. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Qur`an, Sura 30; Vers 30).

 

Das macht das Wort des Propheten Muhammad (a. s. s.) noch deutlicher: ,,Es gibt kein Neugeborenes, das nicht mit der Naturanlage (zum Islam) geboren wird, doch seine Eltern machen es zum Juden, Christen oder Zoroastrier.“ (Überliefert von Buchari und Muslim.)

Ich glaubte damals noch an das ,,Christkind“, bis einer meiner Spielkameraden mich in den Tagen vor Weinachten darauf aufmerksam machte, dass der Weihnachtsbaum, den, wie ich geglaubt hatte, das Christkind in der ,,Heiligen Nacht“ brachte, auf unserem Balkon stand, weil ihn meine Eltern, und nicht das Christkind, vom Markt besorgt hatten. Auch sagte mir mein Freud: ,,Es gibt keine Engel. Oder kannst du sie etwa sehen?“  In der Vorweihnachtszeit hätten viele Engel geschäftlich unterwegs sein müssen. Doch warum waren keine zu sehen?

 

Also war auch das nur eine Erfindung der Erwachsenen. So erlitt mein kindlicher Glaube einen schweren Schlag; ich begann zu zweifeln und wurde innerlich zum Atheisten, blieb aber äußerlich ein Christ. Das Spiel, das die Erwachsenen ihren Kindern mit dem Christkind und dem Nikolaus vorgaukeln, um ihnen eine Freude zu machen, bewirkte so in meinem Fall und Wohl auch in vielen anderen bei der Aufdeckung des Schwindels den Abfall vom Glauben. Später wurde mir dann klar, dass die Ursache für diese Widersprüche nicht darin liegt , dass es keinen Gott und keine Engel gibt, sondern darin, das die Christen ein falsches Bild von Gott und den himmlischen Wesen geben: Suchen wir nach Gott als einem ehrwürdigen alten Mann mit langem weißen Bart, der im Himmel auf einem Thron sitzt, so werden wir ihn trotz

Suche der Astronauten und Radioteleskope nicht finden.

 

Vom Islam wusste ich damals kaum etwas, außer dem Wenigen, das ich im Geschichtsunterricht darüber hörte, und was mir meine Mutter über Afghanistan erzählte, wo sie während des Zweiten Weltkrieges als Lehrerin an der deutschen Schule in Kabul tätig gewesen war. Als ich einmal Bilder von islamischen Bauwerken in Spanien sah, sagte ich mir: Welche hoch stehende Kultur muss wohl das Volk gehabt haben, das diese herrlichen Bauwerke errichtete zu einer Zeit, als im übrigen Europa noch in grobem, schwerfälligem Stil gebaut wurde.

 

In der Religion war ich ein Mitläufer dem Namen nach wie so viele andere, und als mit dem vierzehnten Lebensjahr die Zeit für die Konfirmation kam, drängte mich meine Mutter in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Kirche dazu, auf die Konfirmation zu verzichten, wenn mich der für unsere Gemeinde zuständige Pfarrer nicht daraufhin ansprach. Mir persönlich war das nur recht, weil mir die Konfirmation und die damit zusammenhängende Prüfung samt Vorbereitungsunterricht lästig erschienen.

 

Eine Wandlung trat erst ein, als mich mit fünfzehn Jahren ein Buch über Yoga auf die Welt der übersinnlichen Kräfte und die Yogaphilosophie stieß. Angesichts des Auftretens übersinnlicher Erscheinungen wie Telepathie, Gedankenübertragung, Hypnose und Geisterbeschwörung, so sagte ich mir, sei es nicht auszuschließen, dass es doch Kräfte und Wesen gebe, die wir nicht unmittelbar wahrnehmen können, so wie wir z. B. Radiowellen mit unseren Sinnen ja auch nicht wahrnehmen können. Auch hat jedes Geschehen im Universum seine Ursachen, jede Wirkung hat ihre Ursache, und nach dem Kausalitätsgesetz kann nichts geschehen, ohne dass eine Ursache dieses Geschehnis in Gang setzt. Demnach kann also die Entwicklung vom Urnebel im Weltall, die zur Entstehung der Erde und schließlich der Lebewesen führte, nicht von selbst ihren Anfang genommen haben, sondern es muss ein allwissender Schöpfer dahinterstecken, den wir mit unseren Sinnen nicht unmittelbar wahrnehmen können, weil er aus anderer Substanz besteht als wir.

 

So wie wir das Ergebnis z. B. einer chemischen Reaktion oder den Verlauf einer Geschoßbahn vorauswissen können, so muss dieser Schöpfer in viel ungeheurerem Ausmaße alle noch so komplizierten Abläufe und Geschehnisse genauestens vorausgewußt haben, so dass nichts dem Zufall überlassen blieb. Viel weiter kam ich damals mit meinen Erkenntnissen noch nicht, doch war mein Glaube an die Existenz des Schöpfers wiedergewonnen.

 

Ich las damals auch einige Karl-May-Bücher, deren Inhalt sich mit den abenteuerlichen Reisen ,,Kara Ben Nemsis“ im Vorderen Orient beschäftigte, und gewann dadurch einiges Interesse am Orient und am Islam. Ferner las ich ein Buch über die Islamische Kunst.

 

Sodann kaufte ich mir eine Übersetzung der ungekürzten Gesamtausgabe der ,,Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht“. Unter den Geschichten gab es nicht nur Märchen und Liebesromane, sondern auch Anekdoten von Persönlichkeiten aus der islamischen Geschichte sowie die Erzählung von einer gebildeten Sklavin, der schwierige Fragen aus den verschiedenen islamischen Wissenschaften, wie Qur`an-Erklärung, Glaubenslehre, Recht u. dergl., gestellt wurden. Dies und die in den Erzählungen vorkommenden Qur`an-Zitate machten mich begierig, mehr über den Islam zu erfahren.

 

Im Winter 1970 machte ich mit meinem Vater zusammen eine Reise nach Sousse in Tunesien, wo ich zum ersten Male eine Moschee betrat. Damals war mein Bild von der Islamischen Welt noch zu sehr mit Klischees behaftet, als dass ich die Wirklichkeit klar hätte sehen können. Mir wurde der  Mangel der Kenntnis des Arabischen dort bewusst. Um die Qur`an-Zitate aus ,,Tausendundeiner Nacht“ besser verstehen zu können, kaufte ich mir eine der deutschen Übersetzungen der Bedeutung der Qur`an. Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass eine Übersetzung niemals als Qur`an selbst gilt und besser auch nicht so genannt werden sollte.

 

Ich war damals auf der Suche nach einem Weg, einem Leitfaden, einem Gesetz für mein tägliches Leben, auch wenn mir das wohl nicht voll bewusst wurde. Weder die christliche Religion in ihrer heutigen Form, noch das Leben in Gottlosigkeit konnten mir geben, wonach es mich verlangte. Bei der Lektüre des Qur`an merkte ich, dass er Anweisungen für das Verhalten im täglichen Leben gab, und dass eine gewisse Kraft und Entschiedenheit von dieser Religion ausging, die ich im Christentum vermisste.

 

Anfangs hatte man uns im Religionsunterricht Kirchenlieder auswendig lernen lassen, später beschäftigten wir uns mit Kirchengeschichten und Bibeltexten. Unser Religionslehrer erwähnte damals, es habe im Urchristentum eine Richtung gegeben, die in Jesus (a. s.) einen Menschen und Propheten sah, nicht einen Gott oder Gottessohn, aber von den anderen Richtungen und vor allem der offiziellen Kirche später unterdrückt und erbarmungslos ausgemerzt wurde. Nach islamischer Ansicht war diese Richtung, die die Menschlichkeit, nicht die Göttlichkeit Jesus (a. s.) vertrat, dass die Evangelien erst spät nach Jesus Erscheinen Niedergeschrieben worden waren, und dabei auch noch in einer anderen Sprache als der von Jesus (a. s.), und dass die Texte auseinander gingen und der Urtext verloren sei.

 

Gerade als ich mich für diese Dinge ernsthaft zu interessieren begann, wandte sich der Religionslehrer dem Sexualunterricht und der Psychologie zu. Ich erblickte darin eine Schwäche und Ratlosigkeit der Kirchenvertreter, dass sie, um die Schüler überhaupt noch für den Religionsunterricht zu interessieren, von der Religion auf andere Gebiete abschweifen zu müssen glaubten. Ich trat daraufhin, mit ungefähr neunzehn Jahren offiziell aus der evangelischen Kirche aus und blieb dem Religionsunterricht fern. Kein Pfarrer versuchte mich in die Kirch zurückzuholen, als ob sie die Hoffnung längst aufgegeben hätten, jemanden für das Christentum zurückgewinnen zu können. Bereits in jenen Tagen nahm ich Stellung für den Islam und gegen das Christentum, was zeigt, dass mir der Islam schon damals mehr zusagte. Vielleicht wäre ich schon damals Muslim geworden, hätte sich jemand gefunden, der mich dazu aufgefordert und mir als Vorbild hätte dienen können. Doch Gott, der Erhabene, alleine weiß es am besten. Die politische Weltanschauung, die ich damals hatte, war absolutistisch, gegen Demokratie und Sozialismus eingestellt, weil ich der Überzeugung war, dass ein Staat nicht ohne starke Führung, ohne Herrscherpersönlichkeit, gedeihen könnte, nur konnte ich keine Lösung finden, wie man sich gegen Abweichung und Machtmissbrauch des Herrschers sichern konnte.

 

Die vielen Beispiele aus der Geschichte zeigen das Unheil des Machtmissbrauchs bis hinein in die Gegenwart. Der Islam bietet die Lösung des Problems, indem der Herrscher, der Imam des islamischen Staates, wie jeder andere Staatsangehörige auch, dem von Gott offenbarten Gesetz untertan ist, und der wirkliche Alleinherrscher und Gesetzgeber so Gott, der Schöpfer, ist. Nur wusste ich das damals noch nicht.

 

Als ich erkannte, dass ich den Qur`an nicht richtig verstehen konnte ohne Kenntnis der arabischen Sprache, begann ich, allein und ohne Lehrer, nur mit Hilfe von Büchern Arabisch zu lernen. Durch den Lateinunterricht lernte ich den römischen Philosophen L. Annaheus Seneca und seine Werke kennen, und diese seine stoische Philosophie gab mir in jenem Zeitraum neue Kraft und war mir eine Richtschnur für das tägliche Leben, soweit Philosophie dazu imstande ist. Doch Philosophie baut nicht auf Allgemeingültigkeit und Gewissheit, und so konnte sie dann der Kraft der göttlichen Offenbarung nicht standhalten, als ich Muslim war.

 

Weil meine Abiturnoten es mir nicht gestatteten, Biologie oder Psychologie zu studieren, wie ich es mir gewünscht hatte, wich ich auf Rechtswissenschaften aus und studierte nebenbei auch noch Orientalistik. Es war dies an der Universität München. Doch schon bald wurde mir klar, dass ich das Rechtsstudium gegenüber der Orientalistik vernachlässigte und eines von beiden aufgeben musste. Ich war damals das erste Mal längere Zeit vom Elternhaus entfernt und hoffte, endlich Kontakt zu anderen zu finden. So suchte ich Anschluss an ein Studentencorps, wo ich jedoch nur als Gast an einigen Veranstaltungen teilnahm.

 

Als schon die Hälfte des Semesters verstrichen war, sprach mich einmal ein Mitglied der ,,Hare-Krischna-Bewegung“ auf der Strasse an, und ich zeigte mich für seine Worte verständig, da die aus Indien stammende Lehre, die er vertrat, Ähnlichkeit mit der Yoga-Philosophie hatte; so gab es eine Verständigungsgrundlage. Ich besuchte ihren “Tempel“, ein Haus in der nähe von München, das ihnen jemand überlassen hatte, und befasste mich mit ihrer Lehre.

 

Der Islam hatte mich schon beeinflusst, und so gab es einige Dinge in der Krischna-Lehre, die mir nicht zusagten, wie die Niederwerfung vor Bildern und die Behauptung, dass Krischna eine Inkarnation der Gottheit sei. Krischna, Rama und Vischnu seien alle drei nur verschiedene Verkörperungen ein und derselben Gottheit. War ich mit dem Austritt aus der evangelischen Kirche nicht schon vor der Lehre von der Dreieinigkeit Gottes, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, weggelaufen?

 

Als sie mir einmal klar machen wollten, dass Krischna in dem Bild von ihm, das sie an der Wand hängen hatten, tatsächlich gegenwärtig sei, nahm ich ihnen das nicht ab, auch nicht, dass ihre Lehre die Essenz aller Religionen sei. Wer garantiert die Echtheit und unverfälschte Überlieferung ihres heiligen Buches, der Bagavad-Gita? Dagegen waren doch Teile des Qur`an noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad (a. s. s.) aufgezeichnet worden, und viele seiner Gefährten hatten den Qur`an auswendig gelernt, als dieser dann nicht spät nach dem Tode des Propheten (a. s. s.) endgültig in seiner Gesamtheit schriftlich fixiert wurde.

 

Auch war mir das Mönchsleben der Krischna-Brüder zu hart, und mir missfiel die Art, ihren Lebensunterhalt durch Bettelei zu bestreiten. Jedoch bemerkte ich eine Gemeinsamkeit mit dem Islam: Ihre Kleidung besteht, wie die der Mekka-Pilger, aus zwei einfachen Tüchern, und sie scheren wie diese das Haupt kahl. Doch der Unterschied besteht darin, dass sie diesem zeitlebens tun, die Mekka-Pilger aber nur einmal im Jahr für etwa eine Woche. Auch diente ihre Gemeinschaft als Unterschlupf für Ausreißer und solche Jugendliche, die sich wegen Rauschgiftdelikten vor der Polizei zu verstecken suchten, indem sie Frömmigkeit vortäuschten und so bereitwillig in die Gemeinschaft aufgenommen wurden.

 

Ich blieb unentschlossen, doch das Ende des Semesters und der Wunsch meiner Mutter, mich von dieser Gemeinschaft von Bettelmönchen fernzuhalten, gaben der Angelegenheit eine Wende, indem ich München ganz verließ und in Tübingen Orientalistik ohne Rechtswissenschaften weiterstudierte. Noch in München hatte ich vor meiner Bekanntschaft mit der Krischna-Bewegung einmal daran gedacht, mich mit den dort lebenden Muslimen in Verbindung zu setzen, den Gedanken dann aber doch nicht in die Tat umgesetzt.

 

Schon bald nach meinem Studienbeginn in Tübingen wurde ich, um nicht ganz allein zu sein, Mitglied in einem Studentencorps, obwohl ich in München vom Corpsleben nicht gerade begeistert gewesen war. Es war dies Anfang Mai 1973. Man sagte mir, ich müsse im Corps nicht unbedingt Bier trinken, wenn ich das nicht wolle, doch konnte ich mich dem nicht lange enthalten in einer Gemeinschaft, zu deren Grundlagen Biertrinken gehört. Anfangs begeisterte ich mich auch für das Corpswesen und –leben und kam gut in der Gemeinschaft zurecht, doch dann begannen die Gegensätze in der Weltanschauung und Lebensart hervorzutreten, und ich fühlte mich in der Corpsgemeinschaft nicht mehr wohl.

 

War in den letzten Jahren in mir eine religiöse Neigung erwacht, so musste ich feststellen, dass die Corpsbrüder eine Abneigung gegen alles Religiöse besaßen und davon nur mit Spott sprachen. Ihr Wahlspruch lautete: Kirchen von außen,  Berge von unten und Kneipen von innen. Dagegen hätte ich meiner bisherigen Lebensart die Lösung geben können: Gotteshäuser von innen, Berge von oben und Kneipen von außen. Die politische Einstellung der meisten Corpsbrüder war nationalistisch; daher betrachteten sie die asiatischen und afrikanischen Völker etwas mit Verachtung. Sie legten sehr viel Wert auf die äußere Erscheinung bei besonderen Gelegenheiten, und so verlangten sie von mir, dass ich zu einer ihrer Veranstaltungen in schwarzem Anzug. Weißem Hemd du Krawatte erscheinen sollte. Ich hatte solche Kleidung noch niemals zuvor getragen und empfand diese Forderung als Bedrückend. Nach innen dagegen, wo es die Öffentlichkeit nicht sehen konnte, waren die Corpsbrüder weniger fein und etwas unmoralisch, da die Moral ihre Grundlage in der Religion und der Gottesfurcht hat und beide bei ihnen fehlten.

 

Bei den Veranstaltungen des Corps lernte ich die Folgen des Biertrinkens erst richtig kennen: das Wertvollste, das der Schöpfer dem Menschen gab, den Verstand, macht der Betrunkene unbrauchbar und wird dann hilfloser, abstoßender als jedes Tier. Er verspricht im Rausch Dinge, die er, wieder in Nüchternheit gelangt, niemals hält, vergeudet die beste Zeit zum Schlafen mit Sauferei und schläft dafür am Tag! Morgens lag der Geruch von verschüttetem Bier in der Luft und irgendwo in einer Ecke ein Betrunkener, der den Weg zum Bett nicht mehr gefunden hatte. Wie widerwärtig war das alles! Anfangs hatte mir das Trinken nicht allzu viel gemacht, doch dann, als es mich anzuwidern begann, musste ich mich jedes Mal erbrechen, wenn ich getrunken hatte, und das erhöhte meine Abscheu nur noch mehr.

 

Das Corps war ein schlagendes Corps, das heißt, es werden Mensuren oder Duelle mit ,,Korbschlägern“, die eine schmale Klinge besitzen, nach bestimmten Regeln geschlagen. Einmal war ich Zeuge einer solchen Mensur, bei der Blut floss. Doch ich selbst kam nicht mehr zum Schlagen, da ich nicht sehr sportlich war und aus dem Corps ausschied, bevor ich für meine erste Mensur eingeübt war.

 

Als mein Interesse an den Veranstaltungen des Corps nachließ und mein Widerwille mir bereits anzumerken war, gab es Ärger, und ich wurde für einige Tage suspendiert. Ich spürte, dass der Bruch nicht mehr aufzuhalten war, und kam zu der Einsicht, dass es ein Fehler gewesen war, dem Cors beizutreten, das so sehr meiner bisherigen Lebensart widersprach. Auch erkannte ich, dass es nicht genügte, still für mich allein ein bescheidenes und sittsames Leben zu führen, ohne eine feste Regel und einen genauen Weg zu haben. War ich darin ohne Gemeinschaft, so war ich den Einflüssen anderer ausgesetzt, wie in diesem Falle den Corpsbrüdern, die mich schließlich dazu gebracht hatten, Bier zu trinken. Hatte ich bisher nicht schon ein Leben geführt, das der islamischen Lebensweise nahe kam? Und wäre nur das Alkoholverbot allein ein Verdienst des Islam, so wäre dies schon Grund genug, diese Religion anzunehmen, nachdem ich gesehen hatte, wohin Alkoholgenuss führt. Doch wo waren die Muslime?

 

In Tübingen gab es wie in vielen deutschen Städten eine Anzahl von türkischen Gastarbeitern, die einige Räume gemietet und als Moschee eingerichtet hatten. Ich machte den Betraum ausfindig und setzte mich mit den Türken in Verbindung. Das war in den letzten Tagen meines Corpslebens, Anfang Juli 1973.

 

Die Türken freuten sich sehr, dass ein Deutscher sich für ihre Religion interessierte und Muslim werden wollte, doch helfen konnten sie mir nicht viel. Sie waren ja einfache, ungebildete Arbeiter, keine Gelehrten, und konnten nur wenig Deutsch, und ich meinerseits konnte damals noch nicht Türkisch. So blieb mir nichts anderes übrig, als einen meiner Professoren, die zwar Orientalisten, aber keine Muslime waren, zu fragen.

 

Ich war erst vor wenigen Tagen vor den Türken zum Islam übergetreten, als ich meinem Arabischlehrer nach der Vorlesung einige Fragen betreffs des Gebets stellte. Diese Fragen hörte einer der Studenten, der eben im Begriff war, den Saal zu verlassen. Er sprach mich daraufhin an und fragte mich nach meiner Religion. Ich sagte, ich sei Muslim. Da stellte sich heraus, dass auch er ein deutscher Muslim war, der aber schon ein paar Jahre zuvor zum Islam übergetreten war. Hasan Bauer, so hieß er damals noch, konnte mir mehr helfen als die Türken und wurde so mein Lehrer in der Anfangszeit, der mir die wichtigsten Dinge beibrachte.

 

 

Dr. Mahmud W.

Friede durch die Ergebung in Gottes Willen

 

Wenn ich rückblickend mein fast 74jähiges Leben überschaue und mir überlege, warum ich vor einem Jahr den großen Schritt getan habe und zum Islam übergetreten bin, habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich schon immer ein Muslim gewesen bin, allerdings ohne es selbst zu wissen.

 

Schon als ganz junger Mensch gab es für mich nur einen Gott; Jesus war für mich ein Mensch wie wir alle, doch von Gott dazu ausersehen, als Sein Prophet der Menschheit das Sein eines einzigen Schöpfers und Erhalters zu verkünden und sie zur Erkenntnis und Befolgung der von Ihm vorgeschriebenen Lebensweise aufzurufen. Dementsprechend war es mir unmöglich, an eine Dreieinigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist zu glauben, obwohl ich mit meinem besten Freund unzählige Gespräche darüber geführt hatte. Doch stets kamen wir zu dem Ergebnis, dass ein solch kompliziertes Glaubensgebäude von Gott nicht gewollt sein kann.

 

Auch wenn es in meinem Leben immer wieder schwere Enttäuschungen oder Schicksalsschläge gegeben hat, habe ich sie in dem Bewusstsein hingenommen: Gott allein weiß, warum Er mir diese Prüfungen auferlegt hat. Und heute weiß ich, dass sie stets einen tiefen Sinn hatten und für meine menschliche Entwicklung nur gut waren.

 

In meiner rund vierzigjährigen Tätigkeit als Arzt hat mir die von Gott verliehene Gnade der Ergebung in Seinen Willen unendlich dabei geholfen, mich der leidenden Menschen, die zu mir kamen, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch anzunehmen und ihnen beizustehen. Denn gerade in unserem Beruf sollten wir Ärzte uns unbedingt bewusst sein, dass Körper und Seele eine Einheit bilden.

 

Als mich in den Jahren 1954 bis 1957 mehrere Reisen in die nordafrikanische Sahara führten und ich dort - glücklicherweise von der Industrie reichlich dafür mit Medikamenten ausgestattet - fernab von großen Städten die einfachen, naturverbundenen Nomaden und Oasenbewohner ärztlich betreuen konnte, bedeutete das für mich gleichzeitig meinen ersten Kontakt mit dem gelebten Islam.

 

Unvergesslich steht noch heute vor meinem geistigen Auge das Bild des Hirten, der kurz nach Sonnenuntergang in aller Demut seine Matte ausbreitete, um sein Gebet zu verrichten.

 

Oder ich denke an den schwer asthmakranken Nomaden, der während des Fastenmonats Ramadan zu mir kam, und als ich ihm mit einer Spritze Linderung von seiner akuten Atemnot verschaffen wollte, es vorzog, im Schatten meines Zeltes gottergeben auf den Untergang der Sonne zu warten, bevor er die Behandlung zuließ.

 

Ein andermal wieder trat mir bei den ersten Häusern einer Oase der Scheich mit erhobenen Armen entgegen und rief: "Dich hat Allah geschickt! Bei uns ist eine Krankheit ausgebrochen, die selbst ein Regierungsarzt nicht heilen konnte." So zog ich mit ihm von Haus zu Haus, wo die Kranken mit schwerem Keuchhusten, oft gefolgt von einer Lungenentzündung, daniederlagen. Glücklicherweise hatte ich reichliche Mengen eines Präparates bei mir, das wohl in dieser abgelegenen Gegend noch nie gegeben worden war und das darum rasche Besserung brachte. Selbst aus den Nachbarorten brachte man die Kranken auf Tragen herbei. Am erstaunlichsten aber war für mich, als ich im darauf folgenden Jahr bei einer erneuten Saharareise in einer gut und gerne 500 km entfernten Oase Halt machte, dass man mich dort sogleich fragte, ob ich der Arzt sei, der so vielen Menschen geholfen habe. Und schließlich sehe ich vor mir eine Nacht unter dem weiten Sternenhimmel des Südens: Viele Männer kauerten um ein Feuer und einer von ihnen begann mit feierlicher Stimme aus dem Qur'an zu rezitieren. Dazu tönte aus der Ferne ein Trommelwirbel herüber, der vor den Zelten der Frauen geschlagen wurde. Da vergaß ich Zeit und Raum um mich, lauschte den Klängen einer Sprache, die ich zwar nicht verstehen konnte, die aber doch tief in mein Herz eindrang. Und ich beschloss, nach meiner Rückkehr nach München auf die Suche zu gehen nach einem Qur'an in deutscher Sprache.

 

Viele Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Beruf und Familie forderten ihr Recht und so war meine Sehnsucht nach einer engeren Bindung zum Islam zum Dahinschlummern verurteilt. Nur hin und wieder, wenn sich Muslim-Patienten in meiner Praxis einstellten, versuchte ich - vermutlich zu zurückhaltend - Kontakte zu knüpfen.

 

Erst nachdem ich meine Frau zu verlieren im Begriff stand und meine Praxis aufgab, um ganz für sie Dasein zu können, und schließlich eines Tages wieder allein dastand, nahm ich mir endlich ein Herz und begab mich zur Münchner Moschee. Unter der gütigen Anleitung des dort tätigen Imams wurde ich wieder zum Schüler, lernte über die fünf Säulen des Islam , schaffte mir nach und nach eine kleine Islam-Bibliothek an und begann mit der regelmäßigen abendlichen Lektüre des Qur'an. Da entfaltete sich der Glaube erst in seiner vollen Tiefe und Schönheit vor mir. Voll Dankbarkeit überdachte ich, welche Gnade mir zuteil geworden ist, dass ich nach meinem recht rastlosen Leben nun doch noch hatte Frieden finden dürfen, Frieden durch die Ergebung in Gottes Willen - indem ich Muslim wurde.

 

Wann immer ich die Möglichkeit habe, nehme ich nun an Treffen von Deutschsprechenden Muslimen teil, freue mich, wie die Geschwister jeden Alters, egal ob 5, 15 oder 35, vertrauensvoll zu mir als ihrem älteren Bruder sprechen. Auch habe ich inzwischen damit begonnen, Arabisch zu lernen, nicht nur das, was ich für meine täglichen Gebete benötige, sondern systematisch durch einen Fernkurs mit Tonband und Hausaufgabenkorrektur.

 

Denn irgendwo in einem Winkel meines Herzens regt sich immer deutlicher der Wunsch, wieder zurückzukehren, nein: heimzukehren, zu jenen unverbildeten Menschen der Wüste, die mir das Tor zum Islam geöffnet haben durch ihren festen Glauben und ihre einfache Lebensweise, die ganz getragen ist von diesem Glauben. Unter ihnen, die so fernab von den so genannten Segnungen der Zivilisation ihr karges Leben in Demut fristen, könnte ich, da ich auf einen Verdienst nicht angewiesen bin, gewiss zufrieden von meiner Pension leben und hätte die Möglichkeit, Menschen zu Helden, sie ärztlich zu betreuen und so doch noch ein wenig Gebrauch zu machen von dem, was mir Gott an Wissen, Erfahrung und Glauben mitgegeben hat auf meinen Lebensweg.

 

 

Heeren, Fatima

Der Islam hat meinem Leben einen tiefen Sinn gegeben.

 

Wenn ich mich heute, über zwanzig Jahre nach meinem Übertritt zum Islam frage, was dieser Schritt für mich bedeutet hat, dann fällt es mir schwer, aus der Fülle der Antworten die wichtigsten auszuwählen.

 

Aus der Zeit, bevor ich mit dem Islam in Berührung kam, erinnere ich mich vor allem an ein Gefühl der verzweifelten Unsicherheit. Es war nicht nur die von Amerika ausgehende Angst vor dem alles verschlingenden Kommunismus oder dem Weltuntergang. Viel tiefer noch saßen die Zweifel über den Sinn des menschlichen Lebens überhaupt, darüber, ob es möglich sei, sich zur Existenz Gottes zu bekennen, ohne in ,,Aberglauben“ in unserem ach so fortschrittlichen Zeitalter zurückzuverfallen oder dem verpönten Herdentrieb des Menschen nachzugeben. Um sich nicht dem Vorwurf der Unersättlichkeit auszusetzen, wenn man von einem Leben nach dem Tod und den damit verknüpften Hoffnungen sprach, verurteilte man sich sozusagen selbst voll der vermeintlichen Tapferkeit zum Unglauben. Und so verbaute man sich den Weg zu dem befreienden ,,Ja“ zu Gott. In manchen Kreisen galt es geradezu als ,,unfein“, von Glaubensdingen zu sprechen.

 

Aufgewachsen in einer, wie man damals zu sagen pflegte, ,,gottgläubigen“ Familie, was bedeutete, dass Eltern und Kinder keiner Kirche angehörten, ertappte ich mich schon als Zehnjährige bei der Abtrünnigkeit, indem ich voll der Begeisterung bei einem christlichen Krippenspiel in der hintersten Reihe beim Chor mitsang (mitsingen durfte, müsste man sagen!) oder von meinem vielbeneideten Privileg, am Religionsunterricht in der Schule nicht teilnehmen zu müssen, keinen Gebrauch machte, sondern vielmehr mit besonders gespitzten Ohren an den Lippen des Lehrers hing. Ja, mit vierzehn ging ich sogar mit den Zeugen Jehovas von Haus zu Haus, wobei es allerdings zum Vertrauensbruch kam, als bei so einem Rundgang das Pfarrhaus am Ort ausgespart wurde. In meiner jugendlichen Kompromisslosigkeit war ich der Meinung, gerade der Herr Pfarrer müsste doch unbedingt ,,gerettet“ werden….

 

Mit Anfang zwanzig schließlich trat ich auf Drängen meines damaligen Lehrers, eines sehr gütigen und liebenswerten Paters, in die katholische Kirche ein und ließ mich taufen, weil er mir versicherte, wenn ich erst die Sakramente nähme, würde sich auch der Glaube einstellen. Ich versäumte fortan keinen Sonntagsgottesdienst, versuchte mich ganz zu öffnen für die göttliche Gnade und blieb doch eine Außenstehende, weil der zündende Funke nicht übersprang. Vielleicht lag es daran, dass ich nicht das demütige Verhältnis Jesus gegenüber aufbauen konnte, das den gläubigen Christen beseelt. Vielleicht auch waren die vielen Geheimnisse im katholischen Glaubensgebäude, die nicht hinterfragt werden dürfen, die Ursache dafür, dass auch weiterhin die unerfüllte Sehnsucht nach dem Glauben-Können in meinem Herzen fortbestand.

 

Erst als ich vierundzwanzig war, kam ich durch die Bekanntschaft mit meinem späteren Mann dazu, mich wirklich mit dem Islam zu beschäftigen. Das wenige, was ich darüber in der Schule gehört hatte, ließ mich diesen Glauben durch eine völlig verzerrte Brille sehen, und da es auch auf dem Büchermarkt so gut wie keine dem Islam gewogenen Schriften gab, hatte bis dahin jeder Anreiz gefehlt, mich Muhammad ( Friede sei mit ihm) und seiner Botschaft zuzuwenden.

 

Umso erstaunter war ich, nun hier nicht nur eine Religion im herkömmlichen Sinn, sondern eine alles einschließende Lebensweise vorzufinden. Dies begann ich sowohl aus den zahlreichen Gesprächen, die ich mit meinem damaligen Verlobten führte, zu begreifen, wie auch vor allem auch aus der Lektüre des Buches ,,Der Weg nach Mekka“ von Muhammad Asad. In diesem Erlebnisbericht eines Österreichers, der selbst auf langen Reisen und durch Kontakte mit Muslimen zum Islam gefunden hatte und, eingebettet in spannende Erzählungen von seinen vielfältigen Erlebnissen, den Sinn hinter den islamischen Geboten und Verboten so überzeugend darzulegen wusste, fand ich endlich den Schlüssel zum fest verwurzelten, unerschütterlichen Glauben.

 

Zwei Jahre lang las ich nun, was ich in Deutsch oder Englisch über den Islam in die Hände bekommen konnte. Es begeisterte mich, dass diese Religion so stark auf die natürlichen Anlagen des Menschen ausgerichtet ist, dass nicht Askese und Weltentsagung, sondern Teilnahme am Leben mit all seinen Freuden und Pflichten vom gläubigen Muslim erwartet wird. Auch fand ich so logisch und einleuchtend, dass sich der Islam nicht als neu begründete Religion betrachtet sehen will, sondern als folgerichtige Fortsetzung der vorausgegangenen Offenbarungsreligionen, deren Glaubensgehalt in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherzustellen seine Aufgabe ist.

Bei mir war es vor allem die Dankbarkeit für alles Gute, das ich hatte erfahren dürfen – ein warmer Frühlingstag mit Vogelgezwitscher und den ersten Schlüsselblumen, eine klare Sternennacht, in der die Zeit stillzustehen scheint, die Begegnung mit liebenswerten Menschen -, die in mir die Sehnsucht nach dem Glauben-Können geweckt hatte.

 

Ich suchte nach einem Weg, jemandem für all dies danken zu können. Der Islam gab mir hierauf die Antwort. Die klaren, einfachen Worte des Qur`an sprachen ganz unmittelbar mein Herz an:

 

,,Er hat die Himmel und die Erde erschaffen in Weisheit. Erhaben ist Er über alles, was sie Ihm an die Seite stellen. Er hat den Menschen aus einem (bloßen) Tropfen erschaffen, doch siehe, nun ist er ein offener Krittler. Und das Vieh hat Er erschaffen, ihr habt an ihm Wärme und (anderen) Nutzen; und einiges davon esst ihr. Und es ist Schönheit darin für euch, wenn ihr es abends eintreibt und morgens austreibt auf die Weide. Und sie (die Tiere) tragen Lasten in ein Land, das ihr nicht erreichen könntet, es sei denn mit großer Mühsal für euch selbst. Wahrlich, euer Herr ist gütig, barmherzig...

 

Er ist es, Der euch Wasser aus den Wolken herniedersendet; davon habt ihr Trank, und davon (wachsen) die Bäume, von denen ihr (euer Vieh) fressen laßt. Damit läßt er Korn sprießen für euch und den Ölbaum und die Dattelpalme und die Trauben und Früchte aller Art. Fürwahr, darin ist ein Zeichen für nachdenkende Leute.

 

Und er hat für euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht und die Sonne und den Mond; und die Sterne sind dienstbar auf sein Geheiß. Fürwahr, darin ist ein Zeichen für Leute, die es beherzigen. Und Er ist es, Der (euch) das Meer dienstbar gemacht hat, dass ihr frisches Fleisch daraus essen und Schmuck aus ihm hervorholen möget, den ihr anlegt. Und du siehst die Schiffe es durchpflügen, dass (ihr damit reisen möget) und suchet Seine Huld und dass ihr dankbar seied. Und er hat feste Berge in der Erde gegründet, dass sie nicht mit euch wanke, und Flüsse und Wege, dass ihr recht gehen möget.

 

Und (andere) Wegzeichen; (durch sie) und durch die Gestirne folgen sie der rechten Richtung. Ist nun wohl Der, Der erschafft, dem gleich, der nicht erschafft? Wollt ihr es also nicht beherzigen? Und wenn ihr versucht, Allahs Wohltaten aufzuzählen, ihr könnt sie nicht berechnen.`` (Qur`an  16:3-18)

 

In ebenso klaren Worten wird dargelegt, wie sich der Mensch für all diese Wohltaten dankbar zeigen kann: ,,Wahrlich, die Männer, die sich (Gott) ergeben, und die Frauen, die sich (Ihm) ergeben, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die standhaften Männer und die standhaften Frauen, die demütigen Männer und die demütigen Frauen, die Männer, die fasten, und die Frauen, die fasten, die Männer, die ihre Keuschheit wahren, und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allahs häufig gedenken, und die Frauen, die gedenken – Allah hat ihnen Vergebung und herrlichen Lohn bereitet.“ (Qur`an 33:35)

 

Als ich erfuhr, dass vom gläubigen Muslim erwartet wird, dass er während des Monats Ramadan dreißig Tage lang tagsüber weder isst noch trinkt und dass er fünfmal täglich das rituelle Gebet verrichtet, beschlichen mich Zweifel. Würde ich solche Vorschriften auch einhalten können? Ich wollte mich in religiösen Dingen nicht mehr mit Halbheiten begnügen. Also probierte ich das Fasten noch vor meinem Übertritt zum Islam erst mal am eigenen Leib aus. Und ich stellte fest, dass mir dieser Verzicht auf Essen und Trinken überhaupt nicht schwer fiel, wenn ich die Worte ,,Bismi-llah“-,,Im Namen Gottes“, ausgesprochen hatte. Ja, es war sogar eine Freude und Befriedigung für mich zu merken, wie gut man sich beherrschen kann, wenn nur der rechte Wille da ist.

 

Ebenso erging es mir mit dem Beten. Zunächst erschien es mir als arg harte Pflicht, sehr bald aber schon wurde es mir zum Bedürfnis, zur Beruhigung, zu Minuten des Friedens und der inneren Einkehr, die ich nicht mehr missen mochte.

 

Ich meine, dass der Glaube nicht unbedingt als eine Art Wunder über einen kommen muss. Er will zart und behutsam gehegt werden, damit er allmählich immer stärker und beglückender wird. Ohne die geistige Nahrung des täglichen Gebets und der regelmäßigen Qur`an-Lektüre wird er nur schwerlich die Leuchtkraft erlangen, die einem den geraden Weg zu Gott erhellt. Hat er zudem noch den  Halt, der aus dem möglichst häufigen Kontakt zu anderen Muslimen erwächst, aus dem Gedankenaustausch mit Menschen, die denselben Weg eingeschlagen haben und vor denen sich ähnliche Probleme und Fragen auftürmen, dann kann man es getrost mit dem mehr oder weniger heimlichen Spott der Umwelt, mit dem Unverständnis oder gar mit der Ablehnung der Angehörigen aufnehmen, aber sich auch aus der gesicherten Position des eigenen festen Standpunkts in ein ernsthaftes Gespräch mit Andersgläubigen einlassen.

 

Der Islam hat meinem Leben nach den Jahren der Unsicherheit und der Zweifel einen tiefen Sinn gegeben. Ich fühle mich geborgen, auch wenn das Schicksal mich rüttelt und schüttelt, denn ich weiß jetzt: Man ist hier auf Erden nicht nur, um sich zu vergnügen und es leicht und schön zu haben. Wachsen und reifen kann man vor allem, wenn es einem gelingt, sich auch in schwierigen Situationen zu bewähren und voll Vertrauen in Gott und Seine Weisheit das hinzunehmen, was einem beschieden ist. So gesehen tragen die Weisungen Gottes an die gläubigen Männer und Frauen, gehorsam, wahrhaftig, standhaft, und geduldig demütig, mildtätig, keusch und häufig Seiner gedenk zu sein, bereits hier auf Erden reiche Früchte für den, der sie befolgt. Denn wir halten uns ja nicht daran, um Gott einen Gefallen zu tun, sondern vor allem zu unserem eigenen Besten weil es uns selbst glücklich macht, gut zu sein und Gutes zu tun.

 

Dieses Glücklichsein haben mir all die vermeintlichen Freiheiten des Lebens hier im Westen mit seinen großartigen Berufschancen, dicken Bankkonten, schnellen Autos, modischen Neuheiten, wechselnden Freundschaften und atemberaubenden Vergnügungen nicht zu verschaffen vermocht. Das Glück kam mit dem inneren Frieden, der durch das bewusste Annehmen des Islam in mein Herz eingekehrt ist.

 

 

 

Hoffmann, Dr. Wilfried Murad Ferid

Alhamdu lillah, ein Muslim westlicher Herkunft

 

Wie für einen Westeuropäer typisch, begegnete ich der islamischen Welt nicht etwa zuerst über Al-Ghasalis „ Elixier der Glückseligkeit“, sondern recht kursorisch im Geschichts- und Religionsunterricht sowie in den Reiseschilderungen von Karl May. Die Geschichtserläuterungen waren noch von der Sicht der Kreuzfahrer mitgeprägt; im Religionsunterricht erschien der Islam als nachchristlicher Anachronismus. Und Karl Mays exotische Romantik ließ die Welt des Islam eben auch im orientalischen Stereotyp von Scheherazade erstarren.

 

Gleichwohl empfand ich schon damals eine starke Zuneigung zur islamischen Kunst, wie sie mir in Berliner Museen, besonders aber in Spanien- mit der großen Moschee von Cordoba, der Giralda von Sevilla, der Alhambra von Granada (als Vorgeschmack des Paradieses) – erstmals begegnete. Ich ahnte die gewaltige Bewegung, die über 1000 Jahre hinweg von Andalusien bis Indien ethnisch- regionale Traditionen und Formgebungen dergestalt umbilden konnte, dass islamische Kunst ohne jede Erkenntnistheoretische Vorbildung unverwechselbar zu identifizieren ist.

 

Besondere Faszination übten auf mich von jeher, die ins Ikonographische reichende, aber Hadithkonforme islamische Kalligraphie aus, der Spitzbogen als spannungsreichste, dynamischste Lösung dieses architektonischen Problems sowie die abstrakte Ornamentik dessen, was wir „Arab“-eske nennen.

 

Dann führte mich mein Berufsleben zu unmittelbaren Kontakt mit islamischen Ländern – Algerien, Jugoslawien, der Türkei. Die Begegnung mit den monumentalen Zeugnissen des Islam in diesen Regionen- sei es in Algier, im M´Zab, in Kairouan, Sousse, Sarajevo oder Mostar, Istanbul, Edirne oder Konya – regte mich zum Studium der geistig-religiösen Grundlagen dieser Islamgeprägten Umwelt stärker denn je an.

 

Wichtiger jedoch war das Erlebnis dessen, was den algerischen Muslimen während des mörderischen Bürgerkriegs bis 1962 möglich war. Ganz offenbar auf ihren Glauben gestützt, ertrugen sie in stoischem Gleichmut unglaubliche Provokationen und schmerzlichstes Leid. Dies besser ergründen zu können, las ich erstmals – in französischer Übersetzung – den Qur´an, über den ich bis dahin nur Goethes oft zitiertes Urteil kannte. (Ich habe den Qur´an seither mehrfach gelesen – in mehreren deutschen Übersetzungen und zu einem kleinen Teil auch in unterschiedlichen türkischen Fassungen. Dabei ist mir die Fragwürdigkeit jeder Qur´an – Übersetzung, weil sie nämlich unvermeidlich eine Qur´an- Interpretation ist, einsichtig geworden.)

 

Damals, vor allem aber im späteren Umgang mit albanischen Muslimen des Kosovo, Bosniern und Türken, wurde mir bewusst, wie allgegenwärtig ihnen ihre absolute kreatürliche Bedingtheit war, wenn sie täglich hundertmal nicht nur als Formel „inscha´Allah“ und „ma-scha´Allah sprachen. Und so begann ich mich tiefer in die Theologie, aber auch in die Scharia des sunnitischen Islam zu versenken. Erstmals 1978 beachtete ich probeweise in der letzten Woche des Monats Ramadan die Fastenregeln.

 

Ich empfand dies als moralisch bestärkend (Selbstdisziplin) und physisch entschlackend. Darüber hinaus konnte ich mich der Symbolträchtigkeit dieses Tuns natürlich nicht entziehen.

 

Jeder „apostatische“ Christ weiß, dass es zunächst einem „Denken des Undenkbaren“ gleichkommt, die Gottesnatur von Jesus vorbehaltlos in Frage zu stellen. Auch ich war dazu erst bereit geworden, nachdem ich eine lange Phase des philosophisch begründeten Agnostizismus durchlaufen hatte, gekennzeichnet von einer erkenntniskritischen Skepsis, welche ich unter Orientierung an Ludwig Wittgenstein sprachkritisch untermauerte. Überzeugt davon, dass metaphysisches Wissen über Sinneserfahrungen nicht erfahrbar ist, prüfte ich, ob wir a priori- Einsichten hätten. Ich kam zu dem Ergebnis, dass es zwar mit dem Sein kongruente Denkstrukturen geben mag, dass dies jedoch keine verlässliche Basis für die Beantwortung der metaphysischen Fragestellungen ist, deren Beantwortung der Mensch zeitlebens versuchen muss, will er nicht seiner intellektuellen Würde verlustig gehen.

 

Damit war ich auf den dritten, letzten Weg der Erkenntnis zurückverwiesen: den Weg authentischer, axiomatisch nicht ausschließbarer Offenbarung. Auf diesem Wege also kam ich von der Ausgangstatsache, dass es ein Sein gibt, das nicht aus Nichts entstanden sein und nicht im Nichts existieren kann, zur Vorstellung von Gott zurück.

Gott nämlich als Antwort auf die Urfrage nach Kausalität und Finalität. Die Antwort darauf gibt der Qur´an (57:3): „Er ist der Erste und der Letzte, erkennbar und zugleich verborgen.“

 

In diesem Stadium wurde mir klar, dass dem Islam die am kategorischsten einfache, abstrakteste, also entwickelste Gottesidee zugrunde liegt. Ich verstehe dies wie folgt:

Die Entwicklung der Vorstellung von einem einzigen, in seiner Erhabenheit unbegreiflichen Gott, war in der Menschheitsentelechie enthalten. Aus der polytheistischen Erklärung von Naturphänomenen musste sich über eine konkurrierende Götterhierarchie schließlich die Vorstellung eines obersten Gottes herausschälen. Der Zoroastrismus der Sassaniden, nämlich die Redzierung der Götterwelt auf einen Dualismus, war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung; die mosaische Vorstellung eines einzigen Gottes des Stammes Israel ein weiterer. Den endgültigen Durchbruch zur Erkenntnis eines einzigen, liebenden Gottes für alle brachte das Christentum. Doch wurde gerade dies durch die wörtliche Auslegung der Gotteskindschaft Jesus im Trinitätsdogma wieder verfälscht. In dieser Sicht war Muhammad (a. s. s) der notwendige Vollender der Ein-Gott-Idee (la ilaha illa Allah) und das Siegel der vorausgegangenen Propheten (wa Muhamad rasul Allah), der die Bewunderung für Jesus und seine Leistung – wenn man richtig bedenkt – nur noch erhöht hat. Dass es sich in der Tat nicht Diffamierung, ja um Rehablierung von Jesus (Durch richtige Religionsgeschichtliche Einordnung) gehandelt, hat der Qur´an in den im Felsendom zu Jerusalem nachzulesenden Versen (vor allem 4:171 und 172), aber auch in 19:34-365, klargestellt. (Vor diesem Hintergrund empfinde ich allerdings die Schia als eklektischen Rückfall in vorislamische, vor allem manichäische Vorstellungen).

 

Von gleichgroßer Bedeutung für meine Hinwendung zum Islam- die existentielle Unterwerfung durch Willensakt unter Gott – war ferner die Erkenntnis, dass im Islam auch die Kommunikation zwischen Muslim und Allah (t) im Prinzip die religionsgeschichtlich modernste ist. Mit anderen Worten: Den unverfälschten Islam, sei derjenige des Sufismus mit der Liebesethik eines Mevlana Dschalau´ddin Rumi, sei es die Mu´tazila und ihre Gesinnungsethik, begreife ich in seinem Wesen als die Religion des emanzipierten Bürgers par Excellence. Das mag wie eine Contradictio in adiecto klingen. Gemeint ist folgendes: Alle früheren oder späteren Religionen sind dem primitiv-menschlichen Bedürfnis nach einem klerikalen Vermittlertum zu Gott nachgekommen. Wer aber diesem ursprünglichen Verlangen nachgibt- in der Praxis muss auch der Islam sich immer wieder der Versuchung dazu erwehren – fällt unvermeidlich Schamanentum, Kastenwesen, Tabus und Magie anheim. (Ob man dies Priestertum, mit höheren Einsichten begabte Imame, Sakramentenlehre, Opfergaben, Heiligen- oder Marabutverehrung nennt, bleibt letztlich einerlei).

Es charakterisiert nun seine Stärke und Modernität (und widerspiegelt auch so sein wahrhaft göttliches Gottesbild- wie es im Thronvers, 2:255, und der 112. Ichlas-Sure so schön zum Ausdruck kommt), dass der Islam ohne Liturgie, kirchliche Hierarchie und Dogmatik und ohne Priestertum auskommt. Der Muslim ist daher wie kein anderer existentiell auf sich selbst und auf seinen Gott verwiesen. Richtig verstanden, gibt es für ihn keine Flucht in das Ritual, aber auch nicht die Möglichkeit, ihn durch staatliche Bevormundung von seinem Gott abzuschneiden.

 

Im Gegensatz zu manchen eher Zeitbezogenen Richtlinien des medinischen Qur´an gaben diese beiden zeitunabhängigen Schlüsselelemente des Qur´an von Mekka für mich den Ausschlag, mich schließlich zu bekennen. Damit deklarierte ich , was ich heranreifend bereits geworden war: Alhamdu-lillah, ein Muslim westlicher Herkunft, dem es gerade wegen seiner soziokulturellen Vorprägung aufgegeben ist, mit Muslimen der arabischen Kulturwelt dasjenige herauszuarbeiten, was den Islam in theologisch-philosophischer Revitalisierung zu einer globalen Kraft in der globalen Auseinandersetzung mit dem Atheismus marxistischer Prägung machen kann. Inscha´Allah.

 

 

Lehnert; Ingrid Amal

Meine Suche nach dem Weg zu Gott ist beendet.

 

Allhamdu-lillah- ich bin Muslima! Am 2.2.1981 habe ich die rituelle Reinigung vorgenommen und mich so innerlich von meiner Vergangenheit gelöst. Danach praktizierte ich den Islam so gut ich konnte, um endlich am 23.2.81 mit einem sauberen und guten Gewissen und voller Überzeugung mein „neues“ Glaubensbekenntnis zu sprechen. ( „neues“ in Anführungszeichen, da es eigentlich kein neues Glaubenbekenntnis für mich war. Warum das so ist, wird aus meiner persönlichen Geschichte und meiner Glaubensentwicklung deutlich).

 

So weit ich mich zurückerinnern kann, habe ich zu Gott gebetet und Ihn gleichzeitig unbewusst gesucht.

 

Meine frühesten Erinnerungen gehen in die Zeit zurück, als ich etwa 5 Jahre alt war und am Grab meiner Mutter, deren Seele Gott am 7.4.1957 zu sich genommen hatte, betete.

 

Ich kann nicht sagen, dass ich in einem religiös orientierten Elternhaus  aufgewachsen bin, und doch fühlte ich mich immer „gerufen“. Ich betete regelmäßig und ständig zu Gott, obwohl ich ne eine konkrete Vorstellung von Ihm hatte, aber mein Glaube an Ihn war da.

 

Während meiner Pubertät geriet ich in große Zweifel bezüglich meines Glaubens. Alles erschien mir unsicher, und ich konnte von keiner Seite Hilfe oder Unterstützung erwarten. Doch meine ständige Traurigkeit und innere Einsamkeit ließ mich immer wieder beten. Ich fühlte, dass ich das Gebet zur Gott brauchte, und dass es mir Kraft gab.

 

Meine weiteren Lebensjahre brachten sehr viel Abwechslung für mich. Ein innerer Drang ließ mich ruhelos suchen. Da ich damals noch nicht wusste, welches Ziel diese innere Unruhe und diese Suche hatte, musste ich selbst Ziele erfinden, die sich jedoch alle auf der irdischen-dialektischen Ebene befanden. (Als Beispiele seien hier genannt: in erster Linie die Suche nach einem Sinn für mein Leben, die Suche nach Geborgenheit und Wärme bei „Freunden“, die Suche nach Glück und  Befriedigung in einem sozialen Beruf etc…).

 

Doch bei allem, was ich erlernte und erlebte, blieb eine ständige Unzufriedenheit. Immer wieder tauchten Fragen bei mir auf, die sich auf den Sinn dessen bezogen, was ich tat und erlebte. (Warum lebe ich? Warum erlerne ich einen Beruf, wenn ich doch nur so kurze Zeit hier auf der Erde verweilen werde? Kehrte ich von Vergnügungen nach Hause zurück, fühlte ich eine große innere Leere und Sinnlosigkeit! Immer wieder- WARUM???) Das einzige, was mir damals ein Stück Zufriedenheit schenkte, war das Erleben von Natur, d. h. Wald, Luft, Berge, Meer, Gewitter etc…

 

Aber die große Unzufriedenheit kehrte nach diesen immer wieder zurück.

 

Diese innere Unruhe und stetige Suche war auch die Ursache für meine berufliche Entwicklung.

 

Nachdem ich meine Ausbildung als Erzieherin abgeschlossen hatte, war ich nur ein Jahr berufstätig. Ich konnte einfach keinen Sinn in der Arbeit finden und ging somit weiter zur Schule, um mein Fachabitur nachzuholen und schließlich Sozialpädagogik zu studieren. Mein Leben veränderte sich- meine Unruhe und Suche blieben!

An der Fachhochschule lernte ich meine liebste Freundin kennen. Eine überzeugte Christin, die in ihren Gebeten und in einem Bibelkreis kraft und Hilfe für ihren Alltag schöpfte.  Da ich schon zuvor oft Ansätze gemacht hatte, die Bibel zu lesen, was mir jedoch keinerlei Aufschluss über ihren Inhalt gab, entschloss ich mich an diesem Bibelkreis teilzunehmen.

 

Was jedoch dabei blieb, war meine innere Unruhe und Unzufriedenheit. Es gab mir keine Kraft, und somit distanzierte ich mich bald wieder davon.

 

Dazu sei gesagt, dass ich beim Lesen der Bibel immer das Gefühl hatte, dass mehr darin stand, als ich sehen und verstehen konnte. Aber ich konnte den Schlüssel nicht finden. Aus diesem Grund las ich dann vor eineinhalb bis zwei Jahren mit einer anderen aktiven Christin zusammen die Bibel, um eben diesen Schlüssel zum Verstehen zu finden. Erfolglos- die innere Unruhe und Suche blieben. Und bald brach ich auch diesen Versuch ab. Aber etwas änderte sich: meine Unruhe wurde zur konkreten Suche nach Gott!!! Im Hebst 1979 hatte ich dann mehrer Gespräche mit einem nach Gott suchenden und Ihn gleichzeitig verneinenden Menschen. Diese Gespräche führten mich in eine große Unsicherheit und brachten mir große Zweifel. Obwohl ich weiterhin zu Gott betete, so war ich doch nicht sicher, ob Er wirklich existierte. Ich zweifelte an allem, was zuvor für mich das Wesentlichste war: die Existenz der Seele, die Realität des Lebens nach dem Tod, das Leben auf der Erde als große Prüfung etc…

 

Meine ganze Hoffnung, mein ganzes Welt- und Lebensbild brach zusammen, und ich fühlte mich wie in einem riesigen Vakuum. Völlig verzweifelt und haltlos versuchte ich mir Klarheit zu schaffen, indem ich wissenschaftliche Bücher las und mit Atheisten und „Gläubigen“ stundenlange Gespräche führte. Diese Phase der völligen Zerrissenheit dauerte etwa zwei Monate. Bis ich in einem Gespräch mit einem glaubenden Menschen plötzlich so etwas wie einen Lichtblick hatte.

 

Mir wurde auf einmal klar, dass alle meine Zweifel, Bedenken, Unsicherheiten unsinnig und überflüssig waren. In diesem kurzen Moment bin ich von einem allumfassenden Zweifel zu einem „ Glaubensgrad gelangt, den man mit Überzeugung bezeichnen könnte.

 

Insgesamt gesehen kann man eine kontinuierliche Entwicklung in meinem Glauben an Gott feststellen, in der dieses Erlebnis das Größte war.

Seit diesem Zeitpunkt gab es für mich nur noch eines, was mich interessierte und beschäftigte: die Suche nach einem Konkreten Gottesbild und nach einem konkreten Weg, der mich zu Gott führen konnte.

 

In einem Zeitraum von ca. neun Monaten beschäftigte ich mich ausschließlich mit verschieden Religionsformen. Ich suchte Parallelen zwischen ihnen.

Besonders Bhagwan, ein erleuchteter Meister  in Indien, der die suche nach Gott auf einer „psychotherapeutischen“ ebene  anbietet und dessen Theorien auf allen „Religionen“ basieren, beschäftigte mich sehr. Weiterhin informierte ich mich über die Internationale Schule des Rosenkreuzes, dich sich zwar auf die christliche Lehre beruft, jedoch unabhängig von der Kirche als Institution arbeitet. (Denn die Kirche und ihre Verkündigungen brachten mir nie Aufschluss über Glaube und Gott!).

So wie ich mich mit Bhagwan, Buddhismus, Rosenkreuzerschule etc. beschäftigt hatte, wollte ich auch den Islam kennen lernen.

 

Im Oktober/November 1980 begann ich damit, eine deutsche Übersetzung des Qur´an zu lesen. Gleich am Anfang, nach wenigen Suren bemerkte ich, dass mir das, was ich las, innerlich ungeheuer nahe war. Ich hatte das Gefühl, dass ich das las, was ich schon immer gefühlt, gesucht und nie gefunden hatte.

 

Besonders möchte ich auf das Stichwort der Trinitätslehre der christlichen Kirche hinweisen, mit der ich mich nie identifizieren konnte. Es war immer unverständlich für mich. Obwohl ich in früherer Zeit mehrfach darauf hingewiesen worden war, zu Jesus (a. s.) als Vermittler zu beten. So merkte ich doch, dass dies mich innerlich unbefriedigt ließ. Ich habe immer direkt zu Gott gebetet. Alles andere war für mich völlig fremd. Für mich war Jesus (A, S,) Vorbild für Nächstenliebe und Vorbild dafür, wie ich den Willen Gottes ausüben konnte.

 

Auch habe ich immer gefühlt, dass mein Leben trotz gewisser Regelungen ungeordnet und unsicher war. Ich suchte immer nach einem Führer, der mir die Unsicherheiten nehmen, mich leiten und mir helfen konnte. Mein Erleben, währenddessen ich den Qur´an  d. h. die Übersetzung las, kann ich gar nicht richtig in Worte fassen. Es war so, als hätte ich endlich ein Zuhause gefunden. Immer wenn ich in der Qur´an Übersetzunge las, gab es in mir ein Gefühl der inneren Ruhe und Geborgenheit. Schon sehr bald (nach wenigen Tagen) gehörte das Lesen in ihr zu meinem Alltag und meinem Leben.

 

Obwohl ich damals nicht im Entferntesten daran dachte, den Islam anzunehmen, lebte ich doch schon mehr oder weniger nach den Regeln Gottes, denn das meiste war, wie schon zuvor gesagt, nicht neu für mich, sonder es war das, was bereits seit langem zu mir gehörte; und es anzunehmen war mehr als natürlich und selbstverständlich für mich. Im laufe der Zeit nun hörte ich automatisch auf, Alkohol zu trinken und Schweinefleisch zu essen. Ohne dass mir direkt bewusst war bzw. gewollt hätte. Es war eine Art Begleiterscheinung und keine Entscheidung!

 

Bewusst wurde es mir erst viel später! Im Januar 1981, während ich wieder die Qur´an Übersetzung las, hatte ich wieder eine Art Lichtblick. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich mich nicht mehr als Christ oder Protestant bezeichnen konnte. Ich war zwar kein Muslim, aber ich war auch kein Christ mehr!

 

Als ich das erkannte, nahm ich sofort telefonischen Kontakt mit der Moschee in Aachen auf, wo ich wenige Tage später ein Gespräch mit einem Bruder führen konnte, welcher mir einige Informationen und Bücher gab, die den Islam als Glaube darstellen. Je mehr ich durch das Lesen von Literatur über den Islam erfuhr, umso besser gefiel mir dieser Glaube. Parallel zu meinem Lesen über den Islam versuchte ich den Glauben zu praktizieren, indem ich beispielsweise das Gebet lernte und mich noch mehr an den Regelungen und Gesetzen von Gott in meinem Alltagsleben orientierte.

 

Das Aussprechen des Glaubensbekenntnisses war demnach für mich nur noch eine Art Bestätigung. Heute weiß ich, dass meine Suche nach dem Weg zu Gott beendet ist. Ich habe ihn- den Weg- gefunden, und ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Jetzt gibt es für mich nur noch ein Ziel in meinem Leben: den Willen Gottes genau kennen zu lernen und nach Seinem Willen und zu Seinem Wohlgefallen zu leben. Heute sehe ich, wie ich in meiner Vergangenheit umhergeirrt bin. Wie sinnlos mein Lebens trotz meines Glaubens war. Nur mit Gottes Hilfe konnte ich den Punkt erreichen, an dem ich heute stehe. Ich weiß dass Er mir in seiner Gnade und Barmherzigkeit, trotz meinem sündigen Leben bisher dieses größte Geschenk gemacht hat, das ein Mensch auf dieser Erde erhalten kann.

 

Alhamdu-lillah!

 

 

 

Müller-Haque, Rabeya

Ich war der Wahrheit auf der Spur

 

Wie viele Menschen in Deutschland hörte ich zum ersten Mal in der Schule vom Islam. Da ich aber ein konfessionell gebundenes Gymnasium besucht, konnte von einer objektiven Darstellung dieser anderen Weltreligion wohl kaum die Rede sein. Die vorurteilsträchtige Unterrichtsführung provozierte meinen Widerspruchsgeist. Ich wollte mich selbst informieren. Dabei entsann ich mich einiger Bekannter, die auch dem Islam angehörten. Auf diesem Weg bekam ich meine erste deutsche Qur`an-Übersetzung. Eifrig begab ich mich an diese ,,Lektüre“, ich las und – verstand zunächst nur sehr wenig. Zu sehr war die christliche Erziehung in mir verwurzelt, ich kam nicht davon ab, das im Qur`an Gelesene mit der Bibel zu vergleichen und zu kritisieren. Schließlich erreichten meine Bemühungen einen toten Punkt. Ich wandte mich von meinen Untersuchungen über den Islam ab.

 

Nach dem Abitur machte ich eine Reise nach Großbritannien. Bei einem Besuch im Regent-Park sah ich dann plötzlich etwas, wodurch ich mich zunächst in den Orient versetzt glaubte- da stand doch wahrhaftig eine Moschee vor mir. Ihre goldene Kuppel blitzte in der Sonne. Ich ging näher heran. Es war wohl gerade Zeit zum Gebet. Ich konnte mich erinnern- die Muslime beteten fünfmal am Tag. Zu meinem großen Erstaunen sah ich, dass auch Frauen in die Moschee gingen- also war der Islam doch nicht so frauenfeindlich, wie man mir erzählt hatte. Ich spürte plötzlich das Verlangen, meine vor über einem Jahr begonnenen Studien fortzusetzen, oder war es doch noch etwas anderes, was mich antrieb? Natürlich neugierig und mit klopfendem Herzen betrat ich die Moschee.

 

Offensichtlich versammelten sich die Gläubigen nach Geschlechtern getrennt. Also ging ich einer Frau nach, die auch eben eingetreten war. Sie eilte zu einem Waschraum-natürlich, die Muslime wuschen sich vor dem Gebet, das hatte ich gelesen. Interessiert sah ich zu. Eine Frau, die ich so intensiv beobachtet hatte, fragte mich, ob sie mir zeigen solle, wie man ,,Wudu“ macht. Wudu, was war denn das?

 

Ach so, die Muslime wuschen sich also nicht einfach so, sondern sie hatten ein bestimmtes Ritual. Während also diese freundliche Muslime mir die einzelnen Teile der Waschung zeigte, bekam ich das Gefühl, dass mit dem Staub auch alle meine Sorgen, meine Sünden und alles, was mein Herz belastet hatte, abgewaschen wurden. Mit einem Mal fühlte ich mich frei. Die Muslime, die mir wohl angesehen haben muss, dass ich zum ersten Mal in einer Moschee war, lieh mir einen Gebetsschleier und stellte sich mit mir zum Gebet auf. Natürlich hatte ich auch keine Ahnung, wie man i Islam betete, also folgte ich einfach den Bewegungen der anderen Frauen und sprach mein Gebet in deutscher Sprache. Der Gott, zu dem ich nun betete, das spürte ich, dieser Gott kannte mich gut. Es war kein anderer als der, zu dem ich immer gebetet hatte. Es gab nur einen Gott. War das nicht das Glaubensbekenntnis der Muslime?

 

Ja, es ist kein Gott außer Gott. Und das arabische Wort für Gott ist Allah. Ich spürte, dass ich den Beginn eines roten Fadens entdeckt hatte und diesen weiterverfolgen musste. Ich war der Wahrheit auf der Spur. Nach dem Gebet bat ich die Muslime, mir etwas mehr vom Islam zu erzählen. Sie brachte mich in einen Kreis von anderen Muslimen. Dort erzählte man mir viel Neues und gab mir auch Material. Ich beschäftigte mich aufs Neue mit dem Qur`an in seiner vollen Tragweite, aber die Tatsache, dass dies das offenbarte Wort Gottes ist, das er durch Gabriel (a. s.) an den Propheten Muhammad (a. s. s.) übermittelt hat. Wenige Tage später trat ich in London zum Islam über.

 

Als ich nach Hause kam, lud ich alle meine Freunde ein, ich hatte ein richtiges Festessen bereitet, und vor Beginn unserer gemeinsamen Mahlzeit berichtete ich ihnen, dass ich von nun an eine Muslime sein wolle, dass ich an Allah (t) und seine Gesandten glaube und meinen Namen in Rabeya Sultana geändert hatte. Die meisten freuten sich mit mir, weil sie spürten, dass mir ein großes Glück widerfahren war. An diesem Abend konnte ich noch, alhamdulillah, schon viele Fragen über den Islam beantworten und wenigstens bei meinen Freunden viele Missverständnisse ausräumen.

 

Von da an begann mein Lernprozess, der bis heute nicht beendet ist. Ich musste mich mit meinen Eltern auseinandersetzen und versuchen zu verdeutlichen, warum ich nun kein Fleisch mehr aß, das nicht im Namen Allahs geschlachtet worden war, warum ich keinen Alkohol mehr trank, ja noch nicht einmal eine Weinbrandbohne anrührte, warum ich im Monat Ramadan von Morgens bis Abends nichts aß und trank. Ich hatte jedoch, alhamdu lillah, eine Mutter, die dafür Verständnis zeigte.

 

Leider waren die Behörden nicht so einsichtsvoll. Allein als ich meinen Austritt aus der christlichen Kirche amtlich machen wollte, redete der Beamte fast eine volle Stunde auf mich ein, um mir diese ,,Dummheit“ auszureden. Als Frau freiwillig zum Islam, wusste ich denn, auf was ich mich da einließ? Sicher würde ich in irgendeinem Harem landen. Solche und ähnliche abenteuerlichen Vorstellungen begegneten mir auf Schritt und Tritt. Aber ich bin noch heute dankbar für jede Konfrontation in dieser Hinsicht; denn hier kann ich mit Allahs Hilfe helfen, die Vorurteile auszuräumen, die in Deutschland gegen den Islam bestehen. Ich stellte fest, dass es in Deutschland viele Muslime gab, auch deutsche Muslime, dass es islamische Zentren gab und sogar richtige Moscheen, und ich fühlte mich, als ich zum ersten Treffen der deutschsprachigen Muslime kam, als sei ich in eine Familie aufgenommen worden. Es war wichtig zu spüren, dass ein Muslim nie allein ist.

 

Mittlerweile bin ich nun schon mehrere Jahre Muslim, alhamdu lillah; in der Zwischenzeit habe ich geheiratet und einen kleinen Sohn bekommen. Dadurch wurde mir bewusst, wie schwierig es ist, hier in Deutschland Kinder wirklich islamisch zu erziehen. Das bewog mich dazu, mein bisheriges Studium aufzugeben und Islam-Wissenschaften und Pädagogik zu studieren, um inscha`Allah einmal etwas für die muslimischen Kinder in Deutschland tun zu können.

 

 

 

Ndayisenga, Hassan

Das Glas Wasser

 

Ich gehe durch die Wüst und suche mein Ziel zu erreichen: die Oase, welche Gott heißt. Mein Weg ist mit dicken und bunten Teppichen belegt, aber er ist kurvenreich, und an ihm stehen keine Wegweiser. Ich finde nur Schilder, auf denen der Name Christus steht, der der Sohn Gottes oder gar Gott selbst sein soll. Ich finde nur Schilder, auf denen die Namen Trinität, Erbsünde und Kreuzigung stehen. Aber diese Schilder schweben frei in der Luft, und wenn der Wind weht, geraten sie durcheinander und klappern hässlich. Am Wegesrand liegen Landkarten, auf denen dieselben Namen stehen wie auf den schwankenden Schildern. Aber die Wege auf diesen Landkarten sind verschlungen und enden alle in einer Sackgasse, und ich merke, dass ich mich in einem Labyrinth befinde. Und es gibt kein Wasser auf meinem Weg…Ich bin allein. Ich habe Durst. Ich bete. Ich suche…

 

Und ich finde einen neuen Weg, gepriesen sei Allah! Er hat keine bunten Teppiche, sondern ist schlicht und einfach. Dieser Weg ist gerade, und an ihm stehen feste Schilder auf dem Boden, auf denen ich Richtlinien für meinen Lebensweg finde. Und ich finde eine Landkarte, auf der ein einziger, klarer Weg verzeichnet ist, und ich lese die Namen Allah, die Namen aller Seiner Propheten und den Namen Qur`an. Und es gibt keine Namen wie Gottessohn, Erbsünde und Kreuzigung. Es gibt keine Lügen, keine Widersprüche. Am Wegesrand fließt ein klarer Bach welcher Islam heißt. Ich nehme ein Glas und fülle es. Ich trinke das Wasser, und ich spüre, wie es mich erfrischt und stärkt. Und das Wunderbare ist; dieses Glas Wasser wird niemals leer…...

 

 

 

Schirocki, Ralf Abbas

Ich werde Allah(t) ewig dankbar sein.

 

Es begann damit, dass ich als Schüler in den Sommerferien 1977 bei einer Firma eines Selbstbedienungsladens anfing zu arbeiten. Dort lernte ich einen türkischen Mitarbeiter kennen, mit dem ich auch Heute noch befreundet bin. Das war mein erster Kontakt mit einem Muslim. Ich begann mich zuerst für die Sprache zu interessieren. Bei meiner Tätigkeit in diesem Laden, lernte ich auch eine Türkin kennen. Allerdings musste sie im August wieder nach Hause fahren, so haben wir uns in einem Monat bisschen kennen gelernt. Ich hoffte natürlich, dass sie später einmal wieder nach Berlin kommen würde.

 

Als die Schule wieder anfing, habe ich einen Türkisch-Kurs auf der Volkshochschule besucht. Im November bin ich dann mit meinen Eltern nach Istanbul mit einer Reisegruppe gefahren. Es waren leider nur vier Tage, aber sie waren sehr schön.

 

Ich sah dort viele Moscheen und mir war unbegreiflich, wie die Menschen solche herrlichen Bauwerke zu damaliger Zeit bauen konnten. Heute weiß ich, dass dies ohne Allahs Hilfe nie hätte gebaut werden können. Als ich wieder in Berlin war, kaufte ich mir ein paar Bücher über den Islam und eine deutsche Übersetzung des Heiligen Qur`an. Ich begann ihn zu lesen, und die Worte Allahs beeindruckten mich zutiefst. In dieser Zeit hatte ich den Entschluss gefasst, zum Islam überzutreten. Doch leider kannte ich keine Moschee in Berlin, und ich wusste auch nicht, wo ich mich hätte hingeben müssen. Inzwischen hatte ich meine Berufsausbildung begonnen und musste deswegen den Türkisch-Kurs aufgeben.

 

Im Urlaub 1979 war ich dann wieder in der Türkei. Diesmal in Izmir. Dort wohnt ein Neffe von einem türkischen Freund, bei dem ich zu Besuch war. Dort lernte ich dann die Mentalität und die Religion der Muslime erst richtig kennen.

 

Im Juni 1980 las ich in einer Zeitung, dass eine Berliner Moschee zum ,,Tag der offenen Tür“ einlud. Also ging ich hin, um zum Islam überzutreten. Ich wurde herzlichst aufgenommen, und ich sagte ihnen, was ich wollte. Alsdann kam der Imam, und ich sprach das Glaubenbekenntnis. Danach beglückwünschten mich meine Brüder und wir beteten zusammen. Seitdem fühle ich mich viel freier und leichter als zuvor.

 

Ich bekam auch bald Kontakt zu deutschen Muslimen, die sich zweimal im Monat treffen und den Heiligen Qur`an lesen, und ein Bruder erläutert uns die Worte Allahs. Es machte mir sehr viel Freude, und ich bin glücklich, ein Muslim zu sein. Ich werde (t) ewig dankbar sein. Alhamdu-lillah.

 

 

 


Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!